Lawinenunfall Kitzbühler Alpen

06.02.2010

 

Eine Freundin von mir (Stina S.) und ich wollten am Samstag von der Resterhöhe über das Stangenjoch nach Aschau in Tirol abfahren. Wegen der schlechten Sicht verirrten wir uns aber. Bei der Suche nach der richtigen Abfahrt querten wir einen nicht allzu steilen, in westliche Richtung ausgerichteten Hang, den ich faelschlicherweise als nicht lawinengefaehrdet einschaetzte und lösten ein Schneebrett aus. Wir wurden beide sofort umgerissen. Ich rutschte seitlich mit dem Kopf oben talwaerts. Ich kann von den ersten Sekunden nicht viel berichten, da ich mich voll auf die Ausloesung des Airbags konzentrierte. Ich zog sofort am Ausloeser (ging problemlos) und der Airbag begann sich aufzublasen. Das Aufblasen ging relativ schnell und ich konzentrierte mich jetzt auf den Weg, den die Lawine nahm.


Ich blieb den ganzen Weg in der gleichen Position (ungefaehr so wie in einer Wasserrutsche), das heisst die Fuesse waren talwaerts (Skier am Anfang nicht ausgeloest, gegen Ende hatte einer ausgeloest) und ich in einer halb sitzenden halb liegenden Position mit Blick nach unten. Mein Unterkoerper und meine Beine waren in der Lawine und mein Oberkoerper und Kopf ausserhalb. Ich hatte das Gefuehl, dass mir der Airbag Einiges an Auftrieb in der Lawine gab. Nach einigen Metern ging die Lawine ueber eine Kante und in steileres Gelaende und beschleunigte. Nichtsdestotrotz ging es fuer mich in der gleichen Position weiter. Am Talboden wurde das Gelaende flacher und verjuengte sich. Dort staute sich der Schnee und ich wurde tiefer eingegraben (allerdings nur bis Brusthoehe). Ich wurde in keinem Moment in der Lawine umhergewirbelt. Das Ziehen des Ballons via Gurt habe ich wahrgenommen und zwar vor allem als die Lawine zum Stillstand kam.

Als ich mein zweites Bein ausgrub fand ich ihren Ski auf der Hoehe meines rechten Unterschenkels. Ihre Bindung hatte zum Glueck nicht ausgeloest und so konnte ich sie schnell ausgraben ohne das LVS und die Sonde benutzen zu muessen. Ich legte zunaechst ihren Mundbereich frei, damit sie atmen konnte und grub sie dann komplett aus. Bis zum Freilegen des Mundbereichs waren schaetzungsweise 6 Minuten vergangen. Sie atmete sofort, war aber die ersten Minuten nicht ansprechbar. Nach weniger Zeit war sie auch ansprechbar. Am Anfang tat ihr noch etwas eines ihrer Beine weh, da sie etwas verdreht in der Lawine lag, aber das gab sich nach einigen Minuten.

Ich rief dann mit meinem Handy um Hilfe. Wegen der extremen Witterung konnte der Notarzthubschrauber nicht landen und setzte zwei Retter unter uns im Tal ab, die dann zu uns aufstiegen. Nach Absprache mit ihnen stiegen wir die Haelfte des Lawinenkegels auf und gruben dann eine Schneehoehle, da es inzwischen zu dunkel war und wir kein weiteres Risiko eingehen wollten. Nachdem die Hubschrauberrettung nicht moeglich war, wurden weitere Mitglieder der Bergwacht alarmiert, die von der anderen Seite zu uns aufstiegen. Die Bergwacht war sehr gut organisiert und wir sind allen Beteiligten sehr dankbar fuer die sehr professionelle Rettung. Mein Fazit bezueglich dem Airbag: Man kann nicht sagen ob ich ohne den Lawinenairbag sicher verschuettet worden waere, aber angesichts der Tatsache dass ich in keinem Moment unter der Lawine war, Stina schon relativ frueh und ich im Auslaufbereich nur teilverschuettet war und Stina 1,50 unter dem Schnee lag, gehe ich davon aus, dass auch ich verschuettet gewesen waere und nicht in der Lage gewesen waere mich selber zu befreien. Angesichts der Wetterlage und der von uns gewaehlten Abfahrt denke ich, dass die Bergrettung mindestens mehr als eine Stunde (wenn nicht sogar bis zum naechsten Tag) gebraucht haetten um uns zu finden. Daher denke ich, dass weder Stina noch ich diesen Lawinenabgang ohne meinen Airbag ueberlebt haetten.

Daniel B.